Mentale Anker
- Mental- und Entspannungstraining Daniel Blank

- 27. Aug. 2023
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Juni
Mentale Anker können es dir ermöglichen, deine mentalen und emotionalen Zustände bewusst zu steuern. In diesem Blogbeitrag gehe ich kurz darauf ein, was mentale Anker sind, wie sie funktionieren und wie du deinen eigenen mentalen Anker erstellen kannst. Außerdem erläutere ich den möglichen Nutzen und Einsatz von mentalen Ankern.
Im hektischen Alltag sind wir oft den Schwankungen unserer Gefühle und Gedanken ausgeliefert. Mentale Anker bieten hier eine wirksame Methode, um innezuhalten und gezielt auf gewünschte Zustände zuzugreifen – sei es mehr Gelassenheit vor einer Präsentation oder ein Energieschub für den Endspurt eines Projekts. Sie sind ein Werkzeug zur Selbstregulation, das jeder erlernen und anwenden kann.
Was sind mentale Anker?
Mentale Anker sind Verknüpfungen zwischen bestimmten Reizen oder Situationen und unseren mentalen oder emotionalen Zuständen. Sie dienen dazu, unser Bewusstsein auf eine bestimmte Art und Weise auszurichten, indem sie uns an einen gewünschten Zustand oder eine gewünschte Qualität erinnern. Ähnlich wie physische Anker, wie zum Beispiel ein Anker bei einem Boot, helfen uns mentale Anker dabei, uns mental zu verankern und unsere Energie bewusst zu lenken.
Diese Reize können vielfältig sein: ein bestimmtes Wort, ein Bild, ein Geräusch, ein Geruch oder eine körperliche Geste. Die Stärke eines Ankers liegt in der bewussten und wiederholten Verknüpfung mit einem intensiv erlebten Zustand. So wird der Anker zu einem Trigger, der den gewünschten Zustand auch dann aktiviert, wenn der ursprüngliche Auslöser nicht mehr vorhanden ist.
Wie funktionieren mentale Anker?
Mentale Anker basieren auf den Prinzipien der klassischen Konditionierung, die erstmals von Iwan Pawlow beschrieben wurden. Pawlow zeigte, dass Hunde auf einen neutralen Reiz (z.B. ein Glockenläuten) konditioniert werden können, indem dieser Reiz wiederholt mit einem anderen Reiz (z.B. Futter) gekoppelt wird. Ähnlich können wir unsere mentalen und emotionalen Zustände mit bestimmten Reizen verknüpfen, um gewünschte Zustände bewusst hervorzurufen.
Wenn wir eine mentale Verknüpfung zwischen einem bestimmten Reiz und einem mentalen oder emotionalen Zustand herstellen, wird unser Gehirn diese Verbindung im Laufe der Zeit verstärken. Das bedeutet, dass wir, wenn wir den Reiz wieder erleben, automatisch in den damit verbundenen Zustand zurückkehren oder zumindest schneller und leichter Zugang dazu haben.
Dies ermöglicht es uns, unsere mentalen und emotionalen Zustände bewusst zu steuern und positive Veränderungen herbeizuführen. Ich persönlich habe lange Zeit einen physischen „mentalen“ Anker dazu verwendet, um in akuten Situationen möglichst auf der kognitiven Seite zu bleiben und nicht in eine Stressreaktion abzugleiten. Dadurch bleiben sinnvolle Handlungsmöglichkeiten offen.
Das Schöne daran ist, dass du dir nicht nur neue, positive Anker setzen kannst. Du kannst auch bestehende, unbewusste Anker, die dich vielleicht in unerwünschte Zustände versetzen (z.B. ein Klingelton, der sofort Stress auslöst), durch bewusste Arbeit "überschreiben" oder neutralisieren.
Einen mentalen Anker erstellen
Schritt 1: Wähle einen gewünschten mentalen Zustand
Überlege, welchen mentalen Zustand du herbeiführen möchtest. Möchtest du dich selbstbewusster fühlen? Möchtest du mehr Energie haben? Oder möchtest du entspannt und gelassen sein? Identifiziere den gewünschten Zustand, den du mit deinem mentalen Anker erreichen möchtest.
Schritt 2: Wähle einen Reiz oder ein Symbol
Wähle einen Reiz oder ein Symbol aus, das du mit dem gewünschten Zustand verknüpfen möchtest. Dies kann ein bestimmtes Wort, ein Bild, ein Gegenstand, ein Lied oder eine Geste sein. Wähle etwas, das für dich persönlich bedeutungs- und wirkungsvoll ist.
Schritt 3: Schaffe eine Assoziation
Wiederhole den gewünschten Zustand, den du erreichen möchtest, während du den gewählten Reiz oder das Symbol benutzt. Mache dies mehrmals, um eine starke mentale Verbindung herzustellen. Indem du den Reiz mit dem gewünschten Zustand verbindest und dies immer wieder tust, wird dein Gehirn die Verbindung verstärken.
Angenommen, du möchtest mehr Selbstvertrauen entwickeln. Du wählst als Reiz eine spezielle Handbewegung, bei der du deine Faust sanft ballst und sie dann langsam öffnest. Dies symbolisiert für dich innere Stärke und Entfaltung.
Du beginnst, indem du dir deinen gewünschten Zustand vorstellst – in diesem Fall, ein Gefühl von Selbstvertrauen und Stärke.
Während du diese Vorstellung aufrecht hältst, führst du die Handbewegung aus, indem du deine Faust ballst und sie dann sanft öffnest.
Du wiederholst diese Kombination von Gedanken (Selbstvertrauen) und Handbewegung mehrmals. Jedes Mal, wenn du die Handbewegung machst, konzentrierst du dich bewusst darauf, das Gefühl von Selbstvertrauen zu verstärken.
Schritt 4: Übe die Aktivierung des mentalen Ankers
Teste deinen mentalen Anker, indem du den Reiz oder das Symbol verwendest und dich bewusst in den gewünschten mentalen Zustand versetzt. Wiederhole dies mehrmals, um deine Fähigkeit zu verbessern, den gewünschten Zustand schnell und leicht abrufen zu können. Je öfter du dies übst, desto stärker wird die mentale Verknüpfung werden.
Der Nutzen und Einsatz von mentalen Ankern
Der Nutzen und Einsatz von mentalen Ankern sind vielfältig. Hier sind einige Beispiele, wie du mentale Anker in deinem Alltag verwenden kannst:
Selbstvertrauen: Du kannst einen mentalen Anker mit einem bestimmten Bild oder einem Selbstbewusstseins-Mantra verknüpfen, um dein Selbstvertrauen zu stärken.
Produktivität: Du kannst einen mentalen Anker mit einer bestimmten Geste oder einem bestimmten Ritual verknüpfen, um dich auf Aufgaben zu konzentrieren und produktiver zu sein.
Entspannung: Du kannst einen mentalen Anker mit einer bestimmten Atemtechnik oder einem Entspannungswort verknüpfen, um in stressigen Situationen schnell zur Ruhe zu kommen.
Motivation: Du kannst einen mentalen Anker mit einem motivierenden Zitat oder einem inspirierenden Bild verknüpfen, um dich in schwierigen Momenten motiviert zu halten.
Fokus: Um deine Aufmerksamkeit zu bündeln und Ablenkungen zu minimieren.
Kreativität: Indem du einen Anker mit einem Gefühl von Offenheit und Ideenfluss verbindest.
Mentale Anker können auch im Sport eingesetzt werden, um die Leistung zu verbessern. Athleten nutzen oft spezifische Rituale oder Gesten, um sich in einen optimalen mentalen Zustand zu versetzen. Ebenso können mentale Anker bei der Bewältigung von Ängsten oder zur Verbesserung der Schlafqualität hilfreich sein.
Die Einsatzmöglichkeiten sind nahezu unbegrenzt und reichen von der Bewältigung von Lampenfieber vor einem Auftritt bis hin zur Stärkung der Resilienz im Umgang mit alltäglichen Herausforderungen. Es geht darum, bewusst die Kontrolle über innere Zustände zu übernehmen, statt sich von ihnen kontrollieren zu lassen.
Tipps zur langfristigen Anwendung
Um mentale Anker langfristig in den Alltag zu integrieren, ist regelmäßiges Üben entscheidend. Es kann hilfreich sein, feste Zeiten oder Routinen zu etablieren, in denen man die Technik anwendet. Außerdem sollte man flexibel bleiben und die Technik an verschiedene Situationen anpassen.
Der Einsatz von mentalen Ankern ermöglicht es dir, bewusster mit deinen mentalen und emotionalen Zuständen umzugehen und diese gezielt zu beeinflussen. Indem du deine mentalen Anker aktivierst, kannst du deine Gedanken, Gefühle und Handlungen (teilweise, je nach Situation) bewusst beeinflussen und deine Handlungsfähigkeit oder positiven Eigenschaften auch unter Druck aufrechterhalten. Wie immer, Mentaltechniken erfordern Übung, von null auf hundert funktioniert selten etwas. Manchmal ist eine Technik, zumindest in der Form, nicht typengerecht und erfordert eine Anpassung. Dennoch, es zu versuchen und sich damit zu befassen, lohnt sich immer.
Sei geduldig mit dir selbst. Die Stärke eines Ankers wächst mit der Häufigkeit und Intensität der Verknüpfung. Wenn ein Anker nicht sofort die gewünschte Wirkung zeigt, probiere verschiedene Reize oder Zustände aus. Manchmal braucht es einfach ein wenig Experimentierfreude, um den passenden Anker für dich zu finden.
Viel Spaß und Erfolg beim mentalen Verankern!
Wichtiger Hinweis
Bitte beachte: Die Inhalte dieses Blogs dienen ausschließlich der Information und stellen keine medizinische oder therapeutische Beratung dar. Als Mentaltrainer teile ich hier mein Wissen nach bestem Gewissen, ersetzt jedoch keinesfalls den Besuch bei einem Arzt, Therapeuten oder anderen medizinischen Fachpersonal. Bei Beschwerden oder Fragen zu deiner Gesundheit suche bitte stets professionellen Rat.




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